Evonik Industries AG

80 Mio. Euro: Evonik investiert in Biopharmaherstellung in der Slowakei

Evonik investiert 80 Mio. Euro in seine Fermentationsanlage in der Slowakei. Damit wird der Konzernumbau mit einem massiven Investment in Biotechnologie vorangetrieben. Neben den Spinnenseidenproteinen von Amsilk soll der Standort ein breiteres CDMO-Angebot für die Pharmaindustrie bereithalten. Die Aktie legte seit Jahresbeginn zwar zu, doch die Analysten sind noch uneinig, ob die Richtung nachhaltig nach oben anhalten wird.

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Der Spezialchemiekonzern Evonik treibt seinen strategischen Umbau voran und baut das Biotechnologiegeschäft gezielt aus. Rund 80 Mio. Euro investiert das Unternehmen in den slowakischen Standort Slovenská Lupca, wo die Downstream-Fermentation zur Herstellung pharmazeutischer Wirkstoffe erweitert wird. Etwa 50 neue Arbeitsplätze entstehen.

Standbein in der Slowakei

Vor Ort zeigt sich, dass der traditionsreiche Fermas-Standort längst den Wandel vollzogen hat: vom früheren Aminosäureproduzenten hin zu einem breit aufgestellten Biotech-Zentrum. Heute bündelt Evonik hier Kompetenzen entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von der Fermentation bis zur Aufreinigung komplexer Moleküle im industriellen Maßstab. Die Anlage gilt als zentraler Baustein im CDMO-Geschäft, also der Auftragsentwicklung und -produktion für Pharma- und Life-Science-Unternehmen weltweit.

Die aktuelle Investition knüpft an frühere Projekte an, darunter die 2022 gestartete industrielle Produktion von Rhamnolipiden. Damit hat sich Slovenská Lupca zu einem der wichtigsten Biotechnologie-Hubs des Konzerns entwickelt. Standortleiter Miroslav Havlik betont die Rolle bei globalen Gesundheitslösungen und die Bedeutung für die regionale Entwicklung. Evonik Fermas mit Sitz in Slovenská Lupca entstand 1992 als Gemeinschaftsunternehmen der Degussa AG und Biotika a.s. Zunächst auf Aminosäuren für die Tierernährung fokussiert, gehört der Standort seit 1998 vollständig zu Evonik. Seither wurde das Portfolio auf fermentationsbasierte Produkte für Pharma, Kosmetik, Körperpflege und Tierernährung ausgeweitet. Seit 2024 produziert Evonik dort zudem als erstes Unternehmen weltweit Biotenside auf Rhamnolipid-Basis im industriellen Maßstab. Heute zählt der Standort zu den führenden Biotechnologiezentren des Konzerns.

Unter anderem wird dort im industriellen Maßstab  das Spinnenseidenprotein der Münchner Firma Amsilk hergestellt, das sich durch seine vielfältigen Materialeigenschaften als eine neue Klasse von Werkstoffen für ganz unterschiedliche Anwendungen von Kosmetik über Wirkstoffverpackung, von Reinigungsprodukten bis hin zu textilen Produktlösungen präsentiert.

Stärkeres Gewicht auf den Biopharma-Sektor

Die Investition zahlt auf die Neuausrichtung hin zu margenstärkeren, weniger zyklischen Geschäften ein. Evonik stärkt damit gezielt sein CDMO-Geschäft für die Pharmaindustrie und positioniert sich als Partner für die industrielle Herstellung komplexer Wirkstoffe.

Strategisch passt der Ausbau in ein breiteres Transformationsprogramm, mit dem Evonik den Anteil spezialisierter, nachhaltiger Lösungen erhöht und sich schrittweise von klassischen Basischemikalien löst. Parallel investiert das Unternehmen in neue Produktionslinien und Innovationen, etwa in Asien. Operativ steht Evonik weiterhin unter dem Eindruck eines anspruchsvollen Marktumfelds. Gleichzeitig setzt das Management auf Effizienzprogramme und Portfolioanpassungen, um Profitabilität und Cashflow zu stabilisieren. Die nächsten Geschäftszahlen dürften zeigen, wie schnell sich die strategischen Maßnahmen in den Kennzahlen niederschlagen. Bisher sind die Branchenanalysten geteilter Meinung, ob bei Evonik Aufwind zu erwarten ist, oder sich noch keine nachhaltige Trendwende abzeichnet. Der Börsenkurs selbst spricht in der jüngsten Zeit eher für eine positive Entwicklung, die aber immer mal wieder Rücksetzer erleidet.

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